Was bedeutet Zillmerung bei bAV-Tarifen?
Der Begriff „Zillmerung“ stammt aus der Versicherungsmathematik und beschreibt die Art und Weise, wie Abschluss- und Vertriebskosten auf die Laufzeit eines Versicherungsvertrags verteilt werden. Bei einem gezillmerten Tarif werden die Abschlusskosten in den ersten Jahren der Vertragslaufzeit konzentriert erhoben. Bei einem ungezillmerten Tarif werden die Kosten gleichmäßig über die gesamte Laufzeit verteilt.
Diese unterschiedliche Kostenverteilung hat erhebliche Auswirkungen auf die langfristige Renditenentwicklung – insbesondere bei langen Laufzeiten, wie sie in der betrieblichen Altersversorgung typisch sind.
Gezillmert vs. ungezillmert: Der Unterschied im Detail
In der folgenden Gegenüberstellung wird der Unterschied deutlich:
- Gezillmerter Tarif: In den ersten 5 bis 10 Jahren fließt ein geringerer Anteil des Beitrags in die Kapitalanlage, da die Abschlusskosten vorrangig getilgt werden. Ab dem Zeitpunkt der vollständigen Tilgung fließt nahezu der gesamte Beitrag in die Kapitalanlage – die Sparquote steigt deutlich an.
- Ungezillmerter Tarif: Die Abschlusskosten werden über die gesamte Laufzeit gleichmäßig verteilt. In jedem Jahr wird ein fester Prozentsatz des Beitrags für Kosten einbehalten. Die Sparquote bleibt konstant – aber auf einem niedrigeren Niveau als beim gezillmerten Tarif in der Spätphase.
Warum gezillmert langfristig besser ist: Der Zinseszinseffekt
Der entscheidende Vorteil des gezillmerten Tarifs liegt im Zinseszinseffekt. Die höhere Sparquote in den späteren Jahren – also genau dann, wenn das Vertragsguthaben bereits erheblich angewachsen ist – führt dazu, dass deutlich mehr Kapital am Markt arbeitet und Rendite erwirtschaftet.
Der Zinseszins wirkt exponentiell: Jeder zusätzliche Euro, der in den letzten 15 bis 20 Jahren in die Kapitalanlage fließt, hat überproportional große Wirkung auf das Endergebnis. Beim ungezillmerten Tarif wird dieser Effekt durch die gleichmäßig verteilten Kosten gedämpft – und zwar über die gesamte Laufzeit hinweg.
Vergleichsbeispiel: 100 Euro Monatsbeitrag über 30 Jahre
Angenommen, ein Arbeitnehmer zahlt 100 Euro pro Monat in eine bAV-Direktversicherung mit einer durchschnittlichen Fondsrendite von 6 % p.a. Die Gesamtkosten beider Tarife sind identisch – nur die Verteilung unterscheidet sich:
- Gezillmerter Tarif: In den ersten 5 Jahren fließen ca. 65 % des Beitrags in die Anlage. Ab Jahr 6 steigt der Sparanteil auf über 95 %. Endkapital nach 30 Jahren: ca. 92.000 Euro.
- Ungezillmerter Tarif: In jedem Jahr fließen konstant ca. 85 % des Beitrags in die Anlage. Endkapital nach 30 Jahren: ca. 86.000 Euro.
Der gezillmerte Tarif liefert in diesem Beispiel rund 6.000 Euro mehr Kapital – bei identischen Gesamtkosten. Der Unterschied entsteht ausschließlich durch den stärkeren Zinseszinseffekt in der Spätphase.
Wann ist ein ungezillmerter Tarif sinnvoller?
Der ungezillmerte Tarif hat einen Vorteil bei kurzen Laufzeiten oder frühzeitigem Vertragsende. Wer nach wenigen Jahren den Vertrag kündigt oder den Arbeitgeber wechselt und den Vertrag nicht fortführt, hat beim gezillmerten Tarif bereits die Abschlusskosten bezahlt – ohne vom Zinseszinseffekt profitiert zu haben. In diesem Fall wäre der ungezillmerte Tarif günstiger.
Für langfristige bAV-Verträge mit Laufzeiten von 20 Jahren oder mehr ist der gezillmerte Tarif jedoch in aller Regel die bessere Wahl.
Worauf Arbeitgeber und Arbeitnehmer achten sollten
- Laufzeit prüfen: Je länger die Laufzeit, desto stärker der Vorteil der Zillmerung.
- Portabilität sicherstellen: Bei einem Arbeitgeberwechsel sollte der Vertrag portiert oder beitragsfrei gestellt werden können – dann wirkt der Zinseszinseffekt weiter.
- Gesamtkosten vergleichen: Entscheidend sind nicht die Kosten in den ersten Jahren, sondern die Gesamtkosten über die Laufzeit und das resultierende Endkapital.
- Fondsauswahl berücksichtigen: Der Zinseszinseffekt wirkt umso stärker, je höher die Rendite der gewählten Fonds ist.
Fazit: Gezillmert lohnt sich für langfristige bAV
Für Beschäftigte, die einen bAV-Vertrag über 20 oder mehr Jahre halten, ist der gezillmerte Tarif die renditestarke Wahl. Die Anfangsbelastung durch höhere Kosten wird durch den exponentiellen Zinseszinseffekt in der Spätphase mehr als ausgeglichen. Das Ergebnis: Mehr Rente im Alter.
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