Erwerbsminderungsrente vs. BU: Warum die gesetzliche Absicherung nicht reicht

Arzt-Patient-Gespräch symbolisiert Erwerbsminderung

Was ist die Erwerbsminderungsrente?

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) ist eine Leistung der Deutschen Rentenversicherung für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten können. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber zwei Stufen:

Ein entscheidender Unterschied zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Die EM-Rente bezieht sich auf die Fähigkeit, irgendeinen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszuüben. Die BU hingegen schützt Ihren konkreten Beruf. Ein Chirurg, der aufgrund eines Handleidens nicht mehr operieren kann, aber theoretisch im Büro arbeiten könnte, hat keinen Anspruch auf EM-Rente, wohl aber auf BU-Leistungen.

Wie hoch ist die EM-Rente wirklich?

Die Höhe der Erwerbsminderungsrente enttäuscht die meisten Betroffenen. Der durchschnittliche Zahlbetrag der vollen Erwerbsminderungsrente lag 2024 bei rund 950 Euro brutto monatlich. Davon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern ab.

Die Berechnung der EM-Rente basiert auf Ihren bisher erworbenen Entgeltpunkten. Seit 2019 wird eine sogenannte Zurechnungszeit bis zum 67. Lebensjahr berücksichtigt. Das bedeutet: Bei der Berechnung wird so getan, als hätten Sie bis 67 weitergearbeitet. Allerdings erfolgt dies auf Basis Ihres bisherigen Durchschnittsverdiensts, der gerade bei jüngeren Versicherten noch niedrig sein kann.

Ein konkretes Beispiel: Ein 40-jähriger Arbeitnehmer mit 15 Beitragsjahren und einem durchschnittlichen Verdienst (1,0 Entgeltpunkte pro Jahr) kann mit einer vollen EM-Rente von rund 1.100 Euro brutto rechnen. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung bleiben etwa 935 bis 980 Euro netto. Davon lässt sich in keiner deutschen Großstadt eine Familie ernähren.

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Die bittere Statistik

Die Erwerbsminderungsrente ist nicht nur niedrig, sie ist auch schwer zu bekommen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Rund 35 Prozent aller Erstanträge auf Erwerbsminderungsrente werden abgelehnt. Häufige Gründe sind fehlende medizinische Nachweise, nicht erfüllte Vorversicherungszeiten oder die Einschätzung der Gutachter, dass der Antragsteller noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einsetzbar ist.

Hier zeigt sich ein weiterer gravierender Nachteil gegenüber der privaten BU: Die Verweisbarkeit. Bei der gesetzlichen EM-Rente kann der Rentenversicherungsträger Sie auf jeden beliebigen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verweisen. Ein Ingenieur könnte theoretisch auf eine Pförtnerstelle verwiesen werden, ein Handwerksmeister auf einfache Bürotätigkeiten. Solange Sie irgendeinen Job mindestens sechs Stunden am Tag ausüben könnten, erhalten Sie bestenfalls die halbe EM-Rente.

Eine gute private BU-Versicherung hingegen bietet konkreten Berufsschutz. Sie verweist nur auf vergleichbare Berufe mit ähnlichem sozialen Status und Einkommen. Viele moderne BU-Tarife verzichten sogar vollständig auf eine abstrakte Verweisung, sodass ausschließlich Ihr zuletzt ausgeübter Beruf maßgeblich ist.

Rechenbeispiel: Die Versorgungslücke

Lassen Sie uns die Versorgungslücke anhand eines realistischen Beispiels beziffern. Nehmen wir einen 40-jährigen Angestellten mit einem Bruttogehalt von 3.500 Euro monatlich:

Noch dramatischer sieht es bei einer halben Erwerbsminderung aus:

Bei halber Erwerbsminderung wird zwar unterstellt, dass Sie noch drei bis sechs Stunden arbeiten und Hinzuverdienst erzielen können. In der Praxis gelingt das vielen Betroffenen jedoch nicht, weil sie keinen geeigneten Teilzeitarbeitsplatz finden oder ihre Erkrankung keine regelmäßige Arbeit zulässt. Die theoretische Möglichkeit des Hinzuverdiensts bietet also keine verlässliche Absicherung.

Hochgerechnet auf ein Jahr bedeutet die volle EM-Lücke von 1.365 Euro monatlich einen Fehlbetrag von 16.380 Euro pro Jahr. Über 20 Jahre bis zur regulären Altersrente summiert sich das auf über 327.000 Euro, die aus anderen Quellen gedeckt werden müssten.

Warum eine private BU-Versicherung unverzichtbar ist

Die Zahlen machen deutlich: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente kann die finanzielle Absicherung im Fall der Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit nicht gewährleisten. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung bietet entscheidende Vorteile:

Unser dringender Rat: Verlassen Sie sich nicht allein auf die gesetzliche Absicherung. Prüfen Sie, wie groß Ihre persönliche Versorgungslücke tatsächlich ist, und sorgen Sie privat vor. Je früher Sie eine BU-Versicherung abschließen, desto günstiger sind die Beiträge und desto einfacher die Gesundheitsprüfung.

Jetzt selbst rechnen: Nutzen Sie unseren Erwerbsminderungs-Rechner und erfahren Sie, wie hoch Ihre persönliche Versorgungslücke bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit wirklich ist

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