Warum jeder einen Notgroschen braucht
Das Leben schreibt keine Rechnungen mit Vorlauf. Die Waschmaschine gibt nach sieben Jahren den Geist auf, das Auto braucht eine neue Kupplung für 1.800 EUR, oder der Arbeitgeber meldet Kurzarbeit an. Laut einer Umfrage der ING haben rund 30 Prozent der Deutschen keine oder nur eine sehr geringe finanzielle Reserve. Wer in einer solchen Situation ohne Rücklagen dasteht, greift zum Dispositionskredit oder nimmt einen teuren Konsumkredit auf.
Daraus entsteht schnell eine Schuldenspirale: Die Kreditraten belasten das Monatsbudget zusätzlich, der nächste Notfall trifft auf noch weniger Puffer, und der nächste Kredit folgt. Ein Notgroschen durchbricht diesen Kreislauf, bevor er beginnt. Er ist das Fundament jeder soliden Finanzplanung und sollte noch vor dem langfristigen Vermögensaufbau stehen.
Die goldene Regel: 3 bis 6 Monatsausgaben
Die Faustformel für die Höhe des Notgroschens lautet: drei bis sechs Netto-Monatsausgaben. Doch diese Spanne ist bewusst breit gewählt, weil die individuelle Situation entscheidend ist.
Angestellte mit festem Einkommen kommen in der Regel mit drei bis sechs Monatsausgaben aus. Der Arbeitsvertrag bietet Kündigungsfristen und Anspruch auf Arbeitslosengeld, was einen gewissen Schutz darstellt. Selbstständige und Freiberufler sollten sechs bis neun Monatsausgaben vorhalten. Ohne Kündigungsschutz und mit schwankendem Einkommen ist das Risiko deutlich höher. Beamte benötigen oft nur zwei bis drei Monatsausgaben, da sie unkündbar sind und eine garantierte Pension erhalten.
Weitere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle: Wer Kinder hat, braucht einen größeren Puffer. Wer ein älteres Auto fährt, sollte mit höheren Reparaturkosten rechnen. Und wer Immobilieneigentum besitzt, muss mit unvorhergesehenen Instandhaltungen planen. Die Faustregel ist ein Startpunkt, kein Endpunkt.
So berechnen Sie Ihren individuellen Bedarf
Um Ihren persönlichen Notgroschen zu ermitteln, gehen Sie in drei Schritten vor. Zunächst addieren Sie alle monatlichen Fixkosten: Miete oder Kreditrate, Nebenkosten, Versicherungen, Mobilität, Kommunikation und Lebensmittel. Diese Summe bildet Ihre monatliche Grundversorgung.
Im zweiten Schritt berücksichtigen Sie Ihre Haushaltsgröße. Alleinlebende haben weniger Fixkosten, tragen aber auch das gesamte finanzielle Risiko allein. Paare können sich gegenseitig auffangen, Familien mit Kindern haben dagegen höhere laufende Kosten und weniger Flexibilität.
Drittens prüfen Sie bestehende Kreditverpflichtungen. Wer einen Autokredit oder ein Immobiliendarlehen bedient, hat weniger Spielraum und braucht einen entsprechend größeren Notgroschen. Denn diese Raten laufen auch bei Einkommensverlust weiter.
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Wo parken Sie den Notgroschen?
Die wichtigste Eigenschaft des Notgroschens ist seine sofortige Verfügbarkeit. Es geht nicht um Rendite, sondern um Liquidität. Deshalb scheiden Aktien, ETFs oder Festgeld als Aufbewahrungsort aus. Aktien können in genau dem Moment an Wert verlieren, in dem Sie das Geld brauchen. Festgeld ist über die Laufzeit gebunden und steht im Ernstfall nicht zur Verfügung.
Die beste Option ist ein Tagesgeldkonto bei einer deutschen oder europäisch einlagensicherten Bank. Das Geld ist täglich abrufbar, getrennt vom Girokonto (was impulsives Ausgeben verhindert) und aktuell mit rund 2,5 bis 3 Prozent Zinsen verzinst. Ja, das liegt oft unter der Inflationsrate, aber das ist der Preis für Sicherheit und Verfügbarkeit.
Ein Tipp: Richten Sie das Tagesgeldkonto bei einer anderen Bank als Ihrem Girokonto ein. Die kleine Hürde des Überweisens (ein bis zwei Bankarbeitstage) reicht aus, um spontane Entnahmen zu verhindern, ohne im echten Notfall ein Problem darzustellen.
In 12 Monaten zum Ziel
Ein Notgroschen von beispielsweise 10.000 EUR wirkt auf den ersten Blick unerreichbar. Der Trick ist, das große Ziel in kleine, motivierende Etappen zu zerlegen. Bei einem Ziel von 10.000 EUR in 12 Monaten benötigen Sie rund 834 EUR pro Monat. Das ist ambitioniert. Realistischer ist für viele ein Zeitraum von 18 bis 24 Monaten, also 417 bis 556 EUR monatlich.
Automatisieren Sie den Sparprozess: Richten Sie einen Dauerauftrag ein, der am Tag nach dem Gehaltseingang den Sparbetrag auf das Tagesgeldkonto überweist. So wird das Sparen zur Gewohnheit statt zur monatlichen Willensentscheidung.
Feiern Sie Meilensteine: Setzen Sie sich Zwischenziele. Der erste Monat Fixkosten als Reserve, dann drei Monate, dann sechs Monate. Jedes erreichte Zwischenziel ist ein Grund zur Zufriedenheit und hält die Motivation hoch. Unerwartete Einnahmen wie Steuererstattungen, Boni oder Geldgeschenke können den Aufbau zusätzlich beschleunigen.
Denken Sie daran: Ein Notgroschen von 2.000 EUR ist unendlich besser als gar keiner. Starten Sie lieber heute mit einem kleinen Betrag, als auf den perfekten Moment zu warten.
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