Die große Frage: Wie viel ist genug?
Wer für den Ruhestand vorsorgen möchte, steht vor einer zentralen Herausforderung: Die gesetzliche Rente wird für die meisten Menschen nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Die durchschnittliche Rentenlücke – also die Differenz zwischen dem letzten Nettoeinkommen und der gesetzlichen Rente – beträgt je nach Einkommensniveau zwischen 500 und 2.000 EUR monatlich.
Doch wie übersetzt man einen monatlichen Einkommensbedarf in einen konkreten Kapitalbetrag? Die Antwort hängt davon ab, ob Sie Ihr Kapital im Ruhestand aufbrauchen möchten oder ob es erhalten bleiben soll. Beide Strategien haben ihre Berechtigung – und führen zu sehr unterschiedlichen Zielbeträgen.
Kapitalverzehr vs. Kapitalerhalt
Beim Kapitalverzehr planen Sie, Ihr angespartes Vermögen über einen bestimmten Zeitraum komplett aufzubrauchen. Sie entnehmen monatlich einen festen Betrag, bis das Kapital am Ende der geplanten Entnahmephase bei null steht. Der Vorteil: Sie benötigen deutlich weniger Startkapital. Das Risiko: Wenn Sie länger leben als geplant, geht Ihnen das Geld aus.
Beim Kapitalerhalt leben Sie ausschließlich von den Erträgen Ihres Vermögens. Das Kapital selbst bleibt unangetastet und kann später vererbt werden. Der Vorteil: Sie können Ihren Ruhestand beliebig lange finanzieren, ohne Angst vor Geldmangel. Der Nachteil: Sie benötigen ein erheblich größeres Vermögen.
- Kapitalverzehr: Geringerer Bedarf, aber Langlebigkeitsrisiko. Geeignet in Kombination mit einer lebenslangen Basisrente (gesetzlich oder privat).
- Kapitalerhalt: Höherer Bedarf, aber maximale Sicherheit und Vererbbarkeit. Geeignet für größere Vermögen oder wenn Hinterbliebene abgesichert werden sollen.
Rechenbeispiel: 1.500 EUR Zusatzrente
Nehmen wir an, Sie möchten im Ruhestand eine monatliche Zusatzrente von 1.500 EUR beziehen. Bei einer realen Rendite (also nach Abzug der Inflation) von 3 % p.a. ergeben sich folgende Kapitalbedarfe:
- Kapitalverzehr über 25 Jahre: ca. 330.000 EUR Startkapital. Sie entnehmen monatlich 1.500 EUR und das verbleibende Kapital verzinst sich weiter. Nach 25 Jahren ist das Vermögen aufgebraucht.
- Kapitalverzehr über 30 Jahre: ca. 360.000 EUR Startkapital. Die längere Laufzeit erhöht den Bedarf nur moderat, weil das Kapital länger für Sie arbeitet.
- Kapitalerhalt (ewige Rente): ca. 600.000 EUR Startkapital. Bei 3 % Rendite erwirtschaftet ein Kapital von 600.000 EUR genau 18.000 EUR pro Jahr, also 1.500 EUR monatlich – ohne das Kapital anzutasten.
Der Unterschied ist enorm: Für Kapitalerhalt benötigen Sie fast doppelt so viel Startkapital wie für einen 25-jährigen Kapitalverzehr. Welche Strategie die richtige ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation, Ihrer Risikotoleranz und Ihren Vererbungswünschen ab.
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Der Inflationsfaktor
Ein häufig unterschätztes Risiko in der Ruhestandsplanung ist die Inflation. Selbst bei einer moderaten Inflationsrate von 2 % pro Jahr verliert Geld über lange Zeiträume erheblich an Kaufkraft:
- 1.500 EUR heute entsprechen in 10 Jahren nur noch ca. 1.230 EUR heutiger Kaufkraft.
- In 20 Jahren sind es nur noch ca. 1.010 EUR.
- In 25 Jahren sind es nur noch ca. 900 EUR.
Das bedeutet: Wenn Sie heute 1.500 EUR monatlich als ausreichend empfinden, werden Sie in 25 Jahren mindestens 2.500 EUR brauchen, um den gleichen Lebensstandard zu halten. Deshalb ist es entscheidend, in realen Werten zu planen – also in heutiger Kaufkraft – und eine Rendite anzusetzen, die bereits um die Inflation bereinigt ist.
Unser Rechner arbeitet mit realen Renditen, sodass Sie direkt in heutigen Euro planen können. So vermeiden Sie die gefährliche Falle, nominale Beträge mit realem Bedarf zu verwechseln.
Von der Lücke zum Sparplan
Sobald Sie Ihren Kapitalbedarf kennen, stellt sich die nächste Frage: Wie komme ich dorthin? Der Weg führt über einen konkreten Sparplan. Nehmen wir an, Sie sind 35 Jahre alt, möchten mit 67 in Rente gehen und benötigen 330.000 EUR (Kapitalverzehr über 25 Jahre). Bei einer Rendite von 6 % p.a. müssten Sie monatlich rund 280 EUR sparen.
Klingt machbar? Das ist der große Vorteil der systematischen Planung: Ein scheinbar unüberwindbarer Betrag von 330.000 EUR verwandelt sich in eine überschaubare monatliche Sparrate. Der Schlüssel liegt darin, früh genug anzufangen und den Zinseszins für sich arbeiten zu lassen.
Kombinieren Sie dafür am besten zwei unserer Rechner: Ermitteln Sie zunächst mit dem Kapitalbedarf-Rechner Ihr Zielkapital. Berechnen Sie anschließend mit dem Sparraten-Rechner, welche monatliche Rate Sie dafür aufbringen müssen. So verwandeln Sie die abstrakte Frage „Wie viel brauche ich für die Rente?“ in einen konkreten, umsetzbaren Plan.
Jetzt selbst rechnen: Nutzen Sie unseren Kapitalbedarf-Rechner und finden Sie heraus, wie viel Vermögen Sie für einen sorgenfreien Ruhestand benötigen