Was gehört alles zum Hausrat?
Wenn Sie an Ihren Hausrat denken, fallen Ihnen vermutlich zuerst die großen Möbelstücke ein: Sofa, Schränke, Betten. Doch der Begriff Hausrat umfasst weit mehr als das. Zum Hausrat zählt grundsätzlich alles, was sich in Ihrer Wohnung befindet und nicht fest mit dem Gebäude verbaut ist. Das bedeutet: sämtliche Möbel, Elektrogeräte wie Fernseher, Laptop und Waschmaschine, aber auch Kleidung, Bücher, Geschirr, Gardinen, Teppiche und Sportgeräte.
Besonders häufig unterschätzt werden Alltagsgegenstände. Die Summe aller Kleidungsstücke einer vierköpfigen Familie kann leicht mehrere tausend Euro betragen. Hinzu kommen Spielzeug, Werkzeug im Keller, Fahrräder, Lebensmittelvorräte und persönliche Gegenstände wie Schmuck oder Sammlungen. Die meisten Menschen unterschätzen den Gesamtwert ihres Hausrats dramatisch und liegen oft um 30 bis 50 Prozent daneben.
Unterversicherung: Die teure Falle
Unterversicherung liegt vor, wenn die vereinbarte Versicherungssumme niedriger ist als der tatsächliche Wert Ihres Hausrats. Das klingt zunächst nur nach einem kleinen Fehler, kann im Schadenfall aber verheerende Folgen haben. Denn Versicherer kürzen die Leistung proportional.
Ein konkretes Beispiel: Sie haben eine Versicherungssumme von 40.000 Euro vereinbart, Ihr Hausrat ist aber tatsächlich 80.000 Euro wert. Das ergibt eine Unterversicherung von 50 Prozent. Wenn nun ein Wasserschaden in Höhe von 20.000 Euro eintritt, zahlt der Versicherer nicht 20.000 Euro, sondern nur 10.000 Euro. Die andere Hälfte tragen Sie selbst. Dieser Grundsatz gilt für jeden Schaden, egal ob klein oder groß. Bei einem Totalschaden durch Brand würden Sie statt 80.000 Euro nur 40.000 Euro erhalten und müssten die Differenz aus eigener Tasche zahlen.
Pauschalwerte vs. individuelle Berechnung
Viele Versicherer arbeiten mit einem Pauschalwert von rund 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung ergäbe das eine Versicherungssumme von 52.000 Euro. Dieser Richtwert ist für durchschnittlich ausgestattete Haushalte oft ein guter Ausgangspunkt und bietet den Vorteil, dass bei Anwendung dieser Pauschale häufig auf den Einwand der Unterversicherung verzichtet wird.
Allerdings hat jeder Haushalt einen unterschiedlichen Ausstattungsstandard. Wer hochwertige Elektronik, Designer-Möbel, teure Musikinstrumente oder umfangreiche Sammlungen besitzt, liegt schnell über dem Pauschalwert. In solchen Fällen ist eine individuelle Berechnung des Hausratwerts unverzichtbar.
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Tipps gegen Unterversicherung
Der wirksamste Schutz gegen Unterversicherung ist die Vereinbarung eines sogenannten Unterversicherungsverzichts. Diese Klausel bedeutet, dass der Versicherer im Schadenfall auf die Prüfung einer möglichen Unterversicherung verzichtet und den Schaden bis zur vereinbarten Versicherungssumme voll ersetzt. In der Regel wird dieser Verzicht gewährt, wenn die Versicherungssumme auf Basis des Quadratmeter-Pauschalwerts ermittelt wurde.
Darüber hinaus sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
- Regelmäßige Aktualisierung: Überprüfen Sie Ihre Versicherungssumme mindestens alle zwei bis drei Jahre, insbesondere nach größeren Neuanschaffungen wie einer neuen Küche oder Unterhaltungselektronik.
- Dokumentation: Fotografieren Sie wertvolle Gegenstände und bewahren Sie Kaufbelege sicher auf, am besten digital in einer Cloud. Das erleichtert im Schadenfall die Beweisführung erheblich.
- Sonderpositionen beachten: Wertsachen wie Schmuck, Bargeld und Urkunden sind in der Hausratversicherung oft nur bis zu bestimmten Höchstgrenzen versichert. Prüfen Sie, ob diese Grenzen für Ihren Bedarf ausreichen.
Fazit: Lieber etwas zu hoch versichert
Eine zu niedrige Versicherungssumme kann Sie im Ernstfall zehntausende Euro kosten. Dabei ist der Preisunterschied zwischen einer knapp kalkulierten und einer großzügig bemessenen Versicherungssumme oft erstaunlich gering. Eine Erhöhung der Versicherungssumme um 20.000 Euro schlägt in der Regel mit nur wenigen Euro im Monat zu Buche, bietet aber im Schadenfall einen enormen finanziellen Schutz.
Unser Rat: Investieren Sie zehn Minuten, um den Wert Ihres Hausrats realistisch einzuschätzen. Gehen Sie Raum für Raum durch und addieren Sie die Neuanschaffungswerte aller Gegenstände. Sie werden überrascht sein, wie schnell eine beachtliche Summe zusammenkommt.
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