In fast jeder Lebens- und Rentenversicherung finden Sie die Option der Beitragsdynamik. Doch was genau steckt dahinter, warum ist sie so wichtig – und wann können Sie getrost darauf verzichten? In diesem Artikel erklären wir Ihnen alles, was Sie über die Beitragsdynamik wissen müssen – mit konkreten Zahlen und einem anschaulichen Rechenbeispiel.
Berechnen Sie jetzt mit unserem Dynamik-Rechner, wie sich Ihr Beitrag und Ihre Leistung mit verschiedenen Dynamik-Raten entwickeln.
Was ist die Beitragsdynamik?
Die Beitragsdynamik ist eine vertragliche Vereinbarung, bei der sich Ihr Versicherungsbeitrag jährlich automatisch um einen festgelegten Prozentsatz erhöht – und mit ihm auch die versicherte Leistung. Die Erhöhung erfolgt in der Regel zum Jahrestag des Vertrags, ohne dass eine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich ist.
Diese automatische Anpassung gibt es bei verschiedenen Versicherungsarten:
- Lebensversicherung: Höherer Beitrag führt zu höherer Ablaufleistung oder Todesfallsumme.
- Rentenversicherung: Höherer Beitrag ergibt eine höhere monatliche Rente im Alter.
- Berufsunfähigkeitsversicherung: Höherer Beitrag sichert eine höhere BU-Rente ab.
- Risikolebensversicherung: Höherer Beitrag erhöht die Todesfallleistung.
Warum Dynamik sinnvoll ist: Inflation frisst Kaufkraft
Der Hauptgrund für die Dynamik ist der schleichende Kaufkraftverlust durch Inflation. Was heute 1.000 EUR wert ist, hat bei einer durchschnittlichen Inflation von 2 % in 30 Jahren nur noch eine Kaufkraft von rund 552 EUR – fast die Hälfte geht verloren.
Schließen Sie heute eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit 1.500 EUR monatlicher Rente ab, klingt das zunächst komfortabel. Doch in 20 Jahren entspricht dieser Betrag einer heutigen Kaufkraft von nur noch etwa 1.010 EUR (bei 2 % Inflation). Mit 3 % Dynamik würde Ihre BU-Rente hingegen auf rund 2.710 EUR ansteigen – und den Kaufkraftverlust mehr als ausgleichen.
Besonders relevant ist die Dynamik bei langfristigen Verträgen mit Laufzeiten von 20–40 Jahren. Je länger die Laufzeit, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt der Inflation – und desto wichtiger ist ein Ausgleich durch die Dynamik.
Typische Dynamik-Raten: 3 % bis 10 %
Die meisten Versicherer bieten Dynamik-Raten zwischen 3 % und 10 % an. Die gängigsten Optionen:
- 3 % Dynamik: Konservativ, deckt die langfristige Durchschnittsinflation gut ab. Ein Beitrag von 100 EUR wird nach 30 Jahren zu rund 243 EUR.
- 5 % Dynamik: Die beliebteste Wahl. Berücksichtigt Inflation und Gehaltssteigerungen. Ein Beitrag von 100 EUR wird nach 30 Jahren zu rund 432 EUR.
- 10 % Dynamik: Aggressiv, führt zu einer Vervielfachung des Beitrags. Ein Beitrag von 100 EUR wird nach 30 Jahren zu rund 1.745 EUR. Nur sinnvoll, wenn Sie am Anfang sehr niedrig einsteigen und stark steigende Einkünfte erwarten.
Empfehlung: Eine Dynamik von 3–5 % ist für die meisten Kunden der goldene Mittelweg. Sie gleicht die Inflation aus, ohne den Beitrag in späteren Jahren unangemessen in die Höhe zu treiben.
Das Widerspruchsrecht: Ihre Sicherheit
Ein häufiges Missverständnis: Die Dynamik ist keine Pflicht. Sie haben jedes Jahr das Recht, der Beitragserhöhung zu widersprechen. Der Versicherer informiert Sie rechtzeitig vor der Anpassung, und Sie können innerhalb einer Frist (meist 4–6 Wochen) widersprechen.
Wichtig zu wissen:
- Ein Widerspruch hat keine negativen Folgen für Ihren bestehenden Vertrag. Die bereits erreichte Leistungshöhe bleibt erhalten.
- Nach zwei aufeinanderfolgenden Widersprüchen erlischt das Dynamikrecht in der Regel dauerhaft – eine Wiederaufnahme ist dann nur mit erneuter Gesundheitsprüfung möglich.
- In finanziell angespannten Zeiten (z. B. Elternzeit, Jobwechsel) können Sie also einmal widersprechen, ohne die Dynamik insgesamt zu verlieren.
Dynamik vs. manuelle Erhöhung
Manche Kunden fragen: Warum nicht einfach manuell den Beitrag erhöhen, wenn das Gehalt steigt? Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Keine Gesundheitsprüfung: Die automatische Dynamik erhöht die Leistung ohne erneute Gesundheitsprüfung. Bei einer manuellen Erhöhung (z. B. bei der BU) verlangt der Versicherer oft eine Nachuntersuchung. Haben Sie zwischenzeitlich eine Vorerkrankung entwickelt, kann die Erhöhung abgelehnt oder mit Zuschlag belegt werden.
- Automatismus: Die Dynamik passiert von selbst. In der Praxis vergessen viele Menschen, ihren Versicherungsschutz regelmäßig anzupassen – und bemerken die Lücke erst im Leistungsfall.
- Kein zusätzlicher Abschlusskostenvorteil: Bei der Dynamik werden die Erhöhungen in der Regel zu günstigeren Konditionen durchgeführt als bei einem kompletten Neuabschluss.
Rechenbeispiel: 100 EUR mit 5 % Dynamik über 30 Jahre
Schauen wir uns konkret an, wie sich ein Monatsbeitrag von 100 EUR mit einer jährlichen Dynamik von 5 % entwickelt:
- Jahr 1: 100 EUR/Monat → 1.200 EUR Jahresbeitrag
- Jahr 5: 121,55 EUR/Monat → 1.458,60 EUR Jahresbeitrag
- Jahr 10: 155,13 EUR/Monat → 1.861,56 EUR Jahresbeitrag
- Jahr 15: 197,99 EUR/Monat → 2.375,88 EUR Jahresbeitrag
- Jahr 20: 252,70 EUR/Monat → 3.032,40 EUR Jahresbeitrag
- Jahr 25: 322,51 EUR/Monat → 3.870,12 EUR Jahresbeitrag
- Jahr 30: 411,61 EUR/Monat → 4.939,32 EUR Jahresbeitrag
Gesamtsumme der gezahlten Beiträge über 30 Jahre: rund 79.700 EUR. Ohne Dynamik hätten Sie in 30 Jahren nur 36.000 EUR eingezahlt (100 EUR × 360 Monate). Durch die Dynamik investieren Sie also mehr als das Doppelte – erhalten dafür aber auch eine entsprechend höhere Leistung.
Bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung mit durchschnittlich 6 % Fondsrendite würde das angesammelte Kapital ohne Dynamik bei rund 100.000 EUR liegen. Mit 5 % Dynamik könnten es über 230.000 EUR sein – mehr als das Doppelte.
Rechnen Sie selbst nach: Wie entwickeln sich Ihr Beitrag und Ihre Leistung mit der Dynamik? Unser kostenloser Dynamik-Rechner zeigt Ihnen die Entwicklung über die gesamte Laufzeit – inklusive Vergleich mit und ohne Dynamik sowie den Einfluss der Inflation.
Wann man auf Dynamik verzichten kann
Die Dynamik ist nicht in jedem Fall zwingend notwendig. Sie können darauf verzichten, wenn:
- Kurze Restlaufzeit: Bei Verträgen mit weniger als 10 Jahren Restlaufzeit ist der Inflationseffekt überschaubar.
- Bereits hoher Schutz: Wenn Ihre aktuelle Versicherungssumme deutlich über dem tatsächlichen Bedarf liegt, ist eine weitere Erhöhung unnötig.
- Sinkendes Einkommen: In der Vorruhestandsphase oder bei geplanter Teilzeit kann eine steigende Beitragsbelastung problematisch sein.
- Eigene Disziplin: Wenn Sie nachweislich diszipliniert selbst investieren (z. B. in ETFs), können Sie den Inflationsausgleich auch eigenständig organisieren – vorausgesetzt, Sie benötigen keine Erhöhung der versicherten Leistung ohne Gesundheitsprüfung.
Fazit: Dynamik ist der einfachste Inflationsschutz
Die Beitragsdynamik ist ein einfaches und wirkungsvolles Instrument, um Ihren Versicherungsschutz langfristig auf dem richtigen Niveau zu halten. Besonders bei der Altersvorsorge und der Berufsunfähigkeitsversicherung sollten Sie eine Dynamik von 3–5 % vereinbaren. Nutzen Sie das Widerspruchsrecht nur im Ausnahmefall – und niemals zweimal hintereinander, um Ihren Anspruch auf künftige Erhöhungen nicht zu verlieren. Eine gut gewählte Dynamik kostet Sie heute wenig, sichert aber langfristig Ihre Kaufkraft.